Blog

 

Einblicke in den Alltag bei CFC

Unsere freiwilligen MitarbeiterInnen informieren in diesem Blog über Ihre Eindrücke und Erlebnisse bei Chance for Children. Verfolgen Sie die interessanten Beiträge hier im Blog.

 

Accra, Ghana, März 2016

Eindrückliche Lebendigkeit

Durch meine Nachbarin, Laura Müller, die schon seit mehr als fünf Jahren bei „Chance-for-Children“ arbeitet, lernte ich diese Organisation erstmals kennen. An Hand von ihren Fotos und lebhaften Schilderungen träumte ich davon, einmal CFC in Realität zu sehen. Dass dies nun möglich wurde, freut mich nicht nur sehr, sondern hat mir eine bis anhin unbekannte Welt eröffnet. Kein Foto, kein Film kann dem Leben und vor allem dieser Lebendigkeit des Drop-In-Centers gerecht werden!

Während meines relativ kurzen Aufenthaltes im DIC erstaunte mich vom ersten Tag an die riesige Begeisterungsfähigkeit dieser Kinder, ihr Elan, ihre Freude etwas zu lernen. Welch ein Unterschied zu den oft gelangweilten Teenagergesichtern in den Schweizer Schulen! Sei es lesen, schreiben, rechnen  oder basteln, die Kinder machen voller Eifer mit. Am Deutlichsten spürt man jedoch ihre Freude beim Singen: Das Schulzimmer scheint zu beben; der Rhythmus liegt den Kindern im Blut!

Aber auch schnell ist mir aufgefallen, wie höflich die Kinder sind. Und dies obwohl bei den meisten die gute Kinderstube im wahrsten Sinne des Wortes fehlt! Die Mädchen und Buben lieben und verehren ihre Lehrer, umgekehrt erfahren die Kinder Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Liebe.

Was mich zudem sehr verblüffte, ist die professionelle Art wie CFC geführt wird und dies mit einer bescheidenen Infrastruktur: Da sucht der Besucher feudale Büros oder moderne Schulzimmer vergeblich! Das Angebot für die „Strassenkinder“ hingegen ist nicht nur sehr breit gefächert, sondern auch sehr zielorientiert aufgebaut: Um den Kindern  punkto Betreuung, Unterstützung, aber auch  bei der schulischen Förderung das Beste bieten zu können, unternimmt die Leitung von CFC enorm viel. Immer wieder fragt sie sich, auf welchem Gebiet das Angebot, die Methode verbessert werden kann. Beispielsweise: Welche Leselernmethode ist für diese Kinder, die dem Unterricht meist nicht regelmässig folgen, am geeignetsten?

Morgen geht mein Aufenthalt leider schon zu Ende, aber die Erinnerungen und diese strahlenden Kindergesichter werden mich auch  in der allgemein kühleren Schweiz begleiten!

Ursula Gutknecht

 

Hebron, Ghana, Juni 2015

Bereichernde Erfahrungen

Schon seit mittlerweile knapp 5 Monaten darf ich in Hebron als Volontärin im Projekt CFC mitarbeiten. Der Compound ist in 2 Hälften unterteilt; der eine für die Jungs und der andere für die Mädchen. Die Jungs haben ihre Zimmer im Hauptgebäude, wo auch die Büros, Küche, Esszimmer und TV-Raum vorhanden sind. Die Mädchen haben ein Hauptgebäude, haben ihre Zimmer aber in den 3 Chalets. Die Hausmütter übernachten ebenfalls in separaten Zimmern ganz in der Nähe der Kinder.

Der ghanaische Alltag ist dort sehr gut spürbar, beginnend bei dem sehr frühen Aufstehen. Die Hausmütter stehen selbst um etwa 04.30Uhr auf und wecken die Kinder um 05.00Uhr, damit sie ihre Hausarbeiten verrichten, ihre Schulsachen bereitstellen sowie das Frühstück einnehmen können bevor sie um 07.00Uhr von einem Mitarbeiter mit dem CFC-eigenen Bus in die etwa 15 Autominuten entfernte Schule gefahren werden. Während die Kinder in der Schule sind verrichte ich diverse anfallende Arbeiten. Ich kümmere mich beispielsweise um die Donations, bereite Workshops vor, nehme an Mitarbeitersitzungen teil, etc. Der gesamte Vormittag steht zu meiner eigenen Verfügung. Die Zeit wird von den meisten Volontären zum Lesen, Waschen, etc. genutzt. Einmal habe ich unsere Hausmütter an den wöchentlichen Markt begleitet, was sehr eindrücklich und interessant gewesen ist.

Um ca. 15.00Uhr kommen die Kinder von der Schule zurück. Besonders die Jungs betätigen sich danach gerne sportlich auf der grosszügigen Spielwiese. Das macht grossen Spass und schafft eine gute Stimmung. Vor dem Erledigen der Schulaufgaben müssen die Kinder geduscht haben. Während der Preptime helfe ich den Kindern bei den Hausaufgaben und gebe ihnen Zusatzaufgaben oder Malvorlagen, falls sie schon vorher fertig sind. Anschliessend gibt es Abendessen. Die einheimischen Zutaten werden sehr ghanaisch zubereitet, wobei die Mädchen und Jungs mithelfen. Fufu, Banku, Yam, Indomie, Reis und Stew werden an den jeweiligen Tagen für insgesamt etwa 70 Personen zubereitet.

Nach dem Abendessen bleibt noch etwas Raum für Freizeit. Die Jungs spielen oft Indoorgames, die Mädchen singen und tanzen gerne. Am Samstag findet jeweils am Morgen ein Workshop statt, wobei ich manchmal assistieren darf oder teilweise auch meinen eigenen Workshop in Absprache mit einem Sozialarbeiter vorbereiten kann. An Freitag- und Samstagnachmittag mache ich mit den Kids ICT-Lektionen. Beim Einrichten des Computerraums durfte ich ebenfalls mitwirken.

Ich geniesse die Zeit hier sehr. Die Begegnung mit den Kindern ist immer wieder aufs Neue äusserst lehrreich. Die Kinder sind begeistert und sehr interessiert, wenn man ihnen neue Dinge zeigt. Die Situation mit dem light off hat sich seit meiner Ankunft verbessert. Es ist nicht immer ganz einfach, bietet aber auch die Möglichkeit, Strategien zu entwickeln, um auch mal für eine gewisse Zeit ohne Strom auszukommen. Dies kann eine sehr bereichernde Erfahrung sein.

Andrea Kennel, Pflegefachfrau

 

 

Hebron, Ghana, Mai 2015

Ein lang gehegter Traum geht in Erfüllung
Mit der Zusage für einen volontären Einsatz im Hilfsprojekt „chance for children“, welches Strassenkinder in Ghana unterstützt, begann meine abenteuerliche Reise.  Durch eine Freundin lernte ich Daniela Rüdisüli kennen. Es war schnell ersichtlich, dass ich in ihre Welt passte und sie mir die Möglichkeit bot, einen lang gehegten Traum zu erfüllen.

Ein knappes Jahr später flog ich nach Accra,  in eine ganz andere Welt, in welcher nicht Materialismus, sondern tägliches Überleben im Vordergrund steht.

Als bereits erfahrene Weltenbummlerin merkte ich schon nach wenigen Tagen Anwesenheit, dass sich mir nochmals eine ganz andere und vor allem bescheidene Kultur und Lebensweise öffnet. Alle versuchten, das Beste zu geben und das Möglichste zu bewirken.  

Mit einfachen Mitteln und viel Engagement setzten sich die Mitarbeiter für die Kinder ein. Während meines ganzen Aufenthaltes sah ich, wie Herzblut und Freude sprudeln und ganz viel Arbeit im Projekt steckt.

Mit offenen Armen und spürbarer Hoffnung wurde ich im Kinderheim in Hebron empfangen. Ich bezog ein Zimmer im Girls-Home, machte Bekanntschaft mit neuen Gewohnheiten, ungewohnten Bräuchen, fremden Regeln und ghanaischem Essen.

Bald brachten mich die Girls und Boys immer wieder zum staunen. Ihre Aufmerksamkeit und der Einsatz bei Workshops lösten bei mir freudige und wertschätzende Gefühle aus. War es beim Kennenlernen von anderen Kontinenten, basteln von Papierhüten, Papiertaschen oder sonstigem. Die Freude und der Spass waren stete Begleiter.

Noch mehr erstaunte mich, wie selbst die grösseren Kinder mit Begeisterung vorgedruckte Bilder ausmalten. Sie nahmen sich Zeit um schöne Bilder zu kreieren, Farben zum leuchten zu bringen und verschenkten die fertigen Kunststücke oder liessen sie in ihren Zimmern verschwinden. Manchmal lag am andern Tag noch irgendwo ein Blatt herum, welches dann durch ermahnen, weggeräumt wurde.

Ebenso faszinierte mich das Interesse am Spielen. Jede freie Minute sah ich die Boys Fussball oder Basketball spielen. Die Girls bevorzugten Oware, Puzzles, Kartenspiele . . .

Ein Hochgenuss für meine Augen waren das Tanzen und insbesondere die Beweglichkeit der Ghanaer. Leidenschaftlich bewegten die Heimkinder ihre Körper und sangen oft dazu.

Öfters wurde aus Spargründen von der Regierung der Strom ausgeschaltet. Da es dadurch im Innern der Gebäude ohne Ventilator sehr warm wurde, verbrachten wir manche Abende draussen im Dunkeln. Das gab den Kindern und Hausmüttern die Gelegenheit, Geschichten zu erzählen. Eines nach dem anderen schilderte oder dichtete etwas aus dem Leben.

Die Heimkinder in Hebron hatten nebst vielen Annehmlichkeiten im Alltag, auch ihre Pflichten. Frühmorgens und abends führte jedes seine „Ämtli“ aus. Putzen, von Hand waschen, mit Kübeln Wasser holen, beim Kochen helfen sind nur einige davon.

Natürlich war nicht immer eitel Sonnenschein. Hier einen Streit zwischen den Kindern, dort eine überreizte Hausmutter, nörgelnde Sozialarbeiter und unzufriedene Pubertierende. Es wäre wohl nicht glaubwürdig nur die positive Seite meines Aufenthaltes darzustellen.

Gerne verbrachte ich die Zeit mit den Kindern und schätzte die lobenswerte Arbeit der Mitarbeitenden im Heim in Hebron und im Tageszentrum in Accra. Manche Stunde spielte ich mit den Kindern, bastelte mit ihnen, hörte ihnen zu und lachte am liebsten mit ihnen. Der Aufenthalt bei „chance for children“ war für mich eine eindrückliche, wertvolle Erfahrung, welche aussergewöhnliche Spuren hinterlassen hat. Es festigte mich im Glauben, dass wir miteinander verbunden sind und alles was wir tun, seine berechtigte Bedeutung hat.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich, wenn auch für kurze Zeit, Teil dieses Projektes sein durfte.

Edith Stucki

 

 

Accra, Februar 2015

CFC Filmprojekt

Mit dem Okay des CFC Managements konnten wir starten: Zusammen mit fünf auserwählten Jugendlichen des Wohnhauses in Hebron nahmen wir das dreimonatige Filmprojekt in Angriff. Ziel war es, dass wir Chance for Children als NGO in Form eines dokumentarischen Sponsorenfilms vorstellen können. Die jugendliche Filmcrew stand dabei klar mit ihren eigenen Vorstellungen und ihrem Filmlernprozess im Mittelpunkt.

Dass es bei den wöchentlichen Filmtreffs und Sitzungen sicherlich nie langweilig wird, bewiesen bereits die ersten paar. Die Vorfreude bei den ersten Filmaufnahmen am wöchentlichen hausinternen Gottesdienst war gross, sich schliesslich noch selbst auf einer Leinwand zu begutachten um so aufregender.

Begriffe wie beispielsweise „Aufnahmeformat“ oder „Interviewleitfaden“ wurden der Filmcrew mit jeder Woche geläufiger. Mit der Übung kamen viele positive Rückmeldungen der Interviewten an die Jugendlichen zurück, was ihnen zusätzlich an Selbstvertrauen schenkte.

Nach neun Wochen Drehzeit kamen beinahe 100 Stunden Filmmaterial zusammen, die es nun für eine stündige Endfassung auszusortieren gilt. Mit der Schnittarbeit durchleben wir die vielen wunderbaren Momente mit der Crew und den CFC Mitarbeitern wieder, was den Sponsorenfilm zusätzlich zu einem ganz persönlichen Erinnerungsschatz für uns zwei Volontäre werden lässt. Wenn der Film eines widerspiegelt, dann ist es Echtheit.

An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals ganz herzlich bei dem CFC Management, allen Mitarbeitern und der Teen Filmcrew für das uns entgegengebrachte Vertrauen.

Wir freuen uns sehr euch den Film bald in Form eines CFC Sponsorenabends in der Schweiz präsentieren zu dürfen.

Bis dann, herzliche Grüsse aus Ghana

Bettina und Roman, Lehrpersonen

 

Accra, Dezember 2014

Ghana – Eine Liebe auf Umwegen

Die Kontraste hätten nicht grösser sein können. Von -35° nach +30°. Stille, blasse und einsame Steppenlandschaften der Mongolei – laute, bunte und überfüllte Märkte im Stadtzentrum der ghanaischen Hauptstadt Accra. Dazwischen ein 3-wöchiger Aufenthalt in der Schweiz. Wir waren uns darüber im Klaren, dass die kommenden 18 Monate ein höchst facettenreicher, prägender und bestimmt teils beschwerlicher Lebensabschnitt darstellen würden. Das Hier und Jetzt zeigt uns jedoch schonungslos auf, dass die eigene Vorstellung, unabhängig davon wie umfangreich man sich im Vornhinein mit einer neuen Kultur befasst, nicht immer mit dem Leben vor Ort und der Gefühlslage in der Gegenwart übereinstimmt. Wir vermuteten, dass unser Ghanaaufenthalt in vieler Hinsicht Neuland bedeuten würde – und ja, es war auch so.

Nach 4 ½ bzw. 3 ½-jähriger Tätigkeit als Oberstufenlehrpersonen war für Bettina und mich der ideale Zeitpunkt gekommen, als Lehrer bzw. Volontäre in einem anderen kulturellen Umfeld Erfahrungen zu sammeln. Unsere Reisen nach Südafrika, Mosambik und Madagaskar haben unsere Neugier und Faszination am afrikanischen Kontinent schon relativ früh geweckt. Diese Umstände und nicht zuletzt, weil wir durch einen persönlichen Kontakt auf ein Schweizerisch-Ghanaisches Hilfswerk für Strassenkinder in Accra (www.chance-for-children.org) aufmerksam wurden, leben und arbeiten wir seit Ende Juli in Ghana. Der professionelle Webauftritt, die inspirierenden Gespräche mit den Verantwortlichen und die Philosophie von CFC überzeugten uns von Beginn an.

Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2014 leben aktuell rund 90‘000 Kinder alleine in Accra auf der Strasse. CFC gibt zur Zeit 150 Kindern oder Jugendlichen eine Chance auf neue Zukunftsperspektive. Der erste Kontakt mit den meisten Kindern findet direkt auf der Strasse statt. Da ist das Ziel die Kinder kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Anschliessend werden die Kinder ins Tageszentrum eingeladen, wo sie sich von den Strapazen des harten Alltags auf der Strasse erholen können. Wenn ein Kind über einige Monate hinweg regelmässig ins Tageszentrum kommt, versuchen die SozialarbeiterInnen Familienangehörige zu finden und die aktuelle Familiensituation abzuklären. Falls eine Chance besteht, dass ein Kind direkt in die eigene Familie zurückintegriert werden kann, wird dies von CFC veranlasst. Ansonsten wendet sich CFC an die ghanaische Sozialbehörde. Im gegenseitigen Austausch werden dann die nächsten Schritte definiert. Häufig wird dann ein Platz in einem der Wohnhäuser zur Verfügung gestellt, oder das Kind wird in seinem gewohnten familiären Umfeld von CFC weiter betreut. Wieder andere werden auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit begleitet, während sie Ausbildungen absolvieren oder studieren. Bettina und ich leben und arbeiten momentan zusammen mit 70 Mädchen und Jungen in den beiden Wohnhäusern ausserhalb von Accra. Wir erhalten unter diesen Rahmenbedingungen einen sehr tiefen Einblick in die unterschiedlichsten Facetten der ghanaischen Kultur und erleben hautnah mit welchen Problemen, Sorgen und Ängsten die Bevölkerung vor allem aber die Strassenkinder zu kämpfen haben.

Unser Aufgabenbereich beinhaltet die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen, sowie die Unterstützung in schulischen Fragen wie beispielsweise die Hausaufgabenhilfe. Neben diesen uns nicht unbekannten Tätigkeiten sind wir mittlerweile aber auch eine Art „Kulturbotschafter“ für die Kinder geworden. Ihr Wissensdurst bezüglich der Schweiz und anderen von uns bereisten Länder ist kaum zu stillen. Dieser Umstand ist für uns als Lehrpersonen höchst dankbar und gleichermassen wohltuend. Ohne Internetzugang, Facebook, Twitter, Smartphone, Tablet und anderen vermeintlichen Luxusgütern unserer westlichen Gesellschaft ist ihre Weltanschauung noch erfrischend unreflektiert, unbeeinflusst und sympathisch naiv. Eine kurze Anekdote dazu: Nachdem wir den Kindern erklärt hatten, dass man nicht mit dem Sammeltaxi, sondern mit dem Flugzeug in die Schweiz reisen müsse und Flugzeuge bekanntlich über unseren Köpfen fliegen, fragten uns die Kinder mit ausgestreckten Zeigefinger gen Himmel zeigend: „Auntie“ (Tante) Bettina, „uncle“ (Onkel) Roman – dann liegt die Schweiz demnach da oben? Die Gefahr, in der Informationsflut der digitalen Medien unterzugehen oder sich im „Socialmediadschungel“ zu verirren besteht für die Kinder hier definitiv nicht. Fluch oder Segen? Wir sind uns nicht sicher. Was uns jedoch klar wurde ist der Umstand, dass wenn die existenziellsten Bedürfnisse wie Essen, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Medikamenten, Platz zum Schlafen oder Schulbildung nicht gewährleistet sind, alles ausserhalb dieses kleinen und düsteren Mikrokosmos nebensächlich wird. Auf die Frage hin, ob sich die Kinder nach den 6-wöchigen Sommerferien wieder auf die Schule freuen, antworteten uns alle mit einem ehrlichen und bestimmten „JA!“. Wie hätten wohl unsere Jugendlichen der Oberstufe auf dieselbe Frage reagiert? Der Zugang zu Bildung ist noch immer in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ein grosser Luxus, den wir zuhause leider viel zu wenig wertschätzen.

In vielen Bereichen des Lebens leisten CFC, Bettina und ich Aufklärungsarbeit. Die vielerorts kritischen hygienischen Bedingungen hier in Accra tragen seit unserer Ankunft dazu bei, dass sich eine grossflächige Choleraepidemie ausbreiten konnte. CFC organisiert verschiedene Workshops fuer ihre Kinder und MitarbeiterInnen, in welchen Informationen bezüglich den möglichen Infektionswegen und den daraus resultierenden Präventionsmassnahmen weitergegeben werden. Die Kinder lernen, dass die körperliche Hygiene, vor allem das regelmässige und gründliche Händewaschen in diesem Zusammenhang elementar ist. Schon vor unserer Abreise mussten wir uns zusätzlich mit der damals noch eher unbeachteten Thematik „Ebola“ vertraut machen. Nach kurzen Internetrecherchen traten wir optimistisch gestimmt, aber trotzdem mit einem flauen Gefühl im Bauch die Reise nach Ghana an.

Mit grosser Aufmerksamkeit verfolgen wir die aktuelle Entwicklung bzw. Ausbreitung der Epidemie. Die westlichen Informationsportale dienen uns dabei als verlässliche Quelle und bestärken uns in unserem Gefühl, dass alles Mögliche unternommen wird, um einer weiteren Ausbreitung entgegenzuwirken und Ghana auch zukünftig für uns eine sichere Wahlheimat darstellt. Einer der für uns vielen offensichtlichen kulturellen Unterschiede, zeigt sich im Umgang mit der genannten Problematik. Die ausgeprägte ghanaische Lebensfreude und der teils beneidenswerte Optimismus beruhigt uns immer wieder und erinnert uns daran, dass Ebola eine sehr ernstzunehmende Dimension erreicht hat, Ghana jedoch bis jetzt glücklicherweise verschont wurde. Das flaue Gefühl vor unserer Abreise unterstreicht die anfänglich erwähnte Tatsache, dass die eigene Vorstellung, unabhängig davon wie umfangreich man sich im Vornhinein mit einer neuen Kultur oder in unserem Fall einer bis dato unbekannten Krankheit befasst, nicht immer mit dem Leben vor Ort und der Gefühlslage in der Gegenwart übereinstimmt. Wir sind uns den Gefahren bewusst, orientieren uns aber weder an täglich neuerscheinenden besorgniserregenden Hochrechnungen, noch an dem was passieren könnte. Wir leben im Hier und Jetzt – schon ganz ghanaisch würden wir behaupten. In anderen Lebensbereichen können wir unsere westeuropäisch geprägte Lebensweise nicht so gut kaschieren. Obwohl uns bewusst war, dass das tropische Klima und der Entwicklungsstand eines westafrikanischen Staates wie Ghana einige Unannehmlichkeiten mit sich bringen würden, sind Schimmelpilze an der Schlafzimmerdecke, regelmässige Stromausfälle, unverträgliche Malariaprophylaxe, nur 2 Mal wöchentlich fliessendes Wasser, laute Nachbarn oder scharfe Chillischoten noch immer Dinge, an die wir uns gewöhnen müssen. Die eben geschilderten „side effects“, wie es auf der Verpackung der Malariaprophylaxe so schön heisst, sind für uns wertvolle Erfahrungen und zeigen uns klar auf, dass Hilfswerke speziell in diesen Regionen der Erde unverzichtbar sind.

Wöchentlich, manchmal sogar täglich stellen Bettina und ich uns die Frage weshalb wir trotz der erwähnten Erlebnissen, Unannehmlichkeiten und emotionalen Achterbahnfahrten dieses Land so mögen. Die Antwort ist für uns sehr simpel und augenscheinlich. Es sind die Menschen hier in Ghana. Die ghanaische Gastfreundschaft, Fröhlichkeit und Offenheit sucht aus unserer Sicht ihresgleichen. Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass uns Ghana und seine Menschen, insbesondere alle CFC-Mitarbeiter und die Kinder in den Wohnhäusern, so schnell ans Herz wachsen würden. Ihre Lebensfreude, Warmherzigkeit, die uns entgegengebrachte Toleranz, Wissbegier und ihr ausgeprägter Sinn für Humor machten es für uns extrem leicht sich willkommen zu fühlen. Ghanas grösstes Kapital sind ohne Zweifel seine Menschen. Trotz grosser Armut, bedrohlichen Krankheiten, existenziellen Sorgen und hoher Inflation spürt man eine grosse Solidarität unter der Bevölkerung und eine bemerkenswerte, ungebrochene Lebensfreude. Viele der genannten Attribute vermissen wir ab und an in unseren Breitengraden leider schmerzlich.

Bettina und ich wissen schon jetzt, dass wir irgendwann im nächsten Jahr mit einem Rucksack voller unbezahlbaren Erlebnissen und sicherlich auch zukünftig prägenden Erinnerungen in unser gewohntes Umfeld zurückkehren werden. Rückblickend können wir beide sagen, dass Ghana nicht die Liebe auf den ersten Blick, sondern vielmehr eine stetig wachsende Liebe auf Umwegen verkörpert. In diesem Sinne: Afu me mu! (Das hat mich überrascht!)

 

Bettina Schmidle, 30-jährig, wohnhaft in Baar, unterrichtete bis 2013 an der Sekundarschule in Menzingen und absolvierte ein 2-jähriges Filmstudium an der SAE in Zürich.

Roman Landolt, 35-jährig, wohnhaft in Siebnen, unterrichtete bis 2013 an der Sek1March in Lachen, als Geografie-, Geschichts-, Englisch- und Sportlehrer.

 

 

Accra, November 2014

Eine kleine Oase für Strassenkinder

Im Oktober 2014 hatte ich die Chance, 2 Monate im Projekt CFC zu verbringen. Da ich besonders an den Handwerksprodukten interessiert bin, war es mir möglich die Herstellung vor Ort zu verfolgen.

Morgens werde ich von den Kindern und den Sozialarbeitern im Drop  in freundlich empfangen und begrüsst. Osman ist bereits im Büro und teilt mir mit, wann ich mit den Kindern malen kann. Zuerst waschen sich die Kinder, putzen ihre Zähne und reinigen die Kleider. Anschliessend verbringen sie den Morgen mit einfachen Lernspielen und Schreibübungen in Gruppen. Ich arbeite im oberen Stock und helfe Akwele beim Nähen ihrer farbenfrohen Batikstoffe, die sie vorher mit Hilfe der Kinder bedruckt und gefärbt hatte. Begleitet wird der Tag mit freundlichem Kinderlachen, Singen, Tanzen und manchmal auch schreien. Es ist eine kleine Oase in diesem Alltag der Kinder. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Kinder kein Zuhause haben und Eltern die sich nicht regelmässig um sie kümmern und sie zur Schule schicken können. Das Mittagessen findet gemeinsam in Gruppen mit den Sozialarbeitern statt. Ich staune an den grossen Portionen die diese Kinder verschlingen, aber es ist wahrscheinlich ihre einzige warme Mahlzeit am Tage. Einige der Kinder legen sich zwischendurch hin und sind somit froh wenn sie ein ruhiges Plätzchen für sich haben. Am Nachmittag versuche ich mit einer Gruppe einfache Zeichenspiele. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, aber ein Sozialarbeiter ist mir behilflich. Die Fähigkeiten im Umgang mit Stiften sind ganz unterschiedlich, die Kinder geben sich grosse Mühe und sind sehr konzentriert. Mit den Resultaten gestalte ich einfache Dankeskarten.

Mich beeindruckt mit wieviel Liebe, Hingabe und Respekt von allen an ihrem Ort gearbeitet wird.

Danke, so war es mir möglich ein kleiner Einblick in den Alltag von CFC zu erhalten.

Maria Malin, Lehrerin

 

Accra, April 2014

Ein Tag im Tageszentrum Jamestown

Komme ich morgens nach James Town, begegne ich den ersten Kindern manchmal schon vor den Türen des Drop In Centers (DIC). Einige verzehren ihr mitgebrachtes Frühstück (wobei dieses auch aus Süssigkeiten bestehen kann) und andere laufen gerade herbei. Wenn sie mich sehen, begrüssen sie mich überschwänglich.

Während sich die Sozialarbeiter darum kümmern, dass die Kinder die Zähne putzen, ihre Kleider waschen und ihr Geld sicher verwahren, habe ich Zeit, mit einigen Kindern zu spielen und zu plaudern. Wobei das Plaudern manchmal gar nicht so einfach ist. Manche Kinder sprechen kaum Englisch und ich spreche keine lokale Sprache. Aber mit Händen und Füssen, oder einem anderen Kind als Dolmetscher, kommt man schon weit.

Die meisten Kinder im DIC passen ihr Verhalten ihrer Umwelt an. Manchmal sind sie wie ganz normale Kinder: verspielt, nach Aufmerksamkeit lechzend, verletzlich. Wenn sie morgens von der Strasse kommen, fallen mir aber eher ihre Selbständigkeit, ihre Anspannung und ihr Reflex, für ihre Bedürfnisse zu kämpfen, auf. Ich versuche während der ersten Stunden am Morgen einen kleinen Teil zu einer entspannten Atmosphäre beizutragen. Sing- und Klatschspiele sind hoch im Kurs.

Mitte Vormittag beginnen die verschiedenen Workshops. Ich stelle die Materialien für meinen Bastelworkshop bereit und eine ghanaische Mitarbeiterin hilft mir, eine Gruppe von vier bis sechs Kindern zusammenzustellen. Sie ist auch während des Workshops dabei, übersetzt meine Anweisungen und hilft bei der Betreuung der Kinder mit. Besonders schön finde ich es, wenn einige Kinder durch die kreative Tätigkeit einen Moment lang zur Ruhe kommen. Auch ihre Freude am Endprodukt ist ansteckend.

Nach dem Mittagessen öffnen wir – falls kein Stromausfall ist und der Ventilator den Raum etwas kühlt – die Bibliothek. Diese besteht aus einer Kiste voller Kinderbücher. Die Kinder, welche Interesse haben, sitzen um zwei Tische und schauen die Bilder in den Büchern an oder lesen sogar ein paar Sätze. Das tönt sehr gemütlich, ist aber gelegentlich auch herausfordernd. Es braucht z.B. nur ein Kind einem anderen ein Buch wegzuschnappen und schon kippt die Stimmung. Ich versuche deshalb, möglichst aufmerksam zu sein und vorherzusehen, wo das nächste Feuerwerk abgehen könnte, damit ich die entsprechenden Kinder ablenken kann. Aber es gibt auch immer wieder entspannte Momente, in welchen ich mit einem Kind ein paar Seiten eines Buches anschauen kann.

Einen Teil des Nachmittags verbringe ich draussen, im Innenhof des DIC. Ich lasse mich auf die Spiele der Kinder ein oder bin „einfach da“. Kurz vor vier Uhr geht’s dann ans Aufräumen, wobei die Kinder kräftig mit anpacken.

Ich arbeite sehr gern im DIC. Da die festen Mitarbeiter alle Aufgaben übernehmen, die für das Funktionieren des DIC nötig sind, kann ich sehr frei wählen, was ich machen möchte. Und jeden Tag motivieren mich die Wertschätzung der anderen Mitarbeiter, das Gefühl etwas Sinnvolles machen zu können und vor allem auch die Begeisterungsfähigkeit der Kinder aufs Neue.

Suzanne Wyss, Lehrerin

 

Accra, Februar 2014

Impressionen aus dem Tageszentrum

Beim Eintritt durchs Tor des Tageszentrums von Chance for Children, erblicke ich überall Kinder – Knaben und Mädchen unterschiedlichen Alters. Einige sind um den Tischfussball versammelt (und jubeln laut nach jedem Tor), andere spielen Tischtennis, eine kleine Gruppe sitzt unter dem Baum mit einer Sozialarbeiterin, wieder andere holen Wasser zum Waschen oder hängen Wäsche auf. Ein Sozialarbeiter verteilt Zahnbürsten, eine Sozialarbeiterin zählt die anwesenden Strassenkinder, andere unterhalten sich mit den Kindern. Sobald ich in den Innenhof trete, rennen ein paar Mädchen auf mich zu und grüssen mich mit „Auntie, Auntie! (Tante, Tante)“. Ein kleiner Junge zeigt mir seine Schnittverletzung am Fuss und ich verspreche ihm, sie zu verarzten. Rund 30 Kinder sind beim meiner Ankunft frühmorgens bereits auf dem Gelände des Tageszentrums, beim Verlassen werden es rund 50 oder noch mehr sein.

Ich begrüsse den Manager und die SozialarbeiterInnen und erkundige mich nach weiteren Kindern mit Schnittwunden, Ausschlägen oder anderen gesundheitlichen Problemen. Kinder mit ernsthaften Wunden und Krankheiten werden ins lokale Spital gebracht, bei kleineren Verletzungen werden sie im Tageszentrum behandelt. Die SozialarbeiterInnen beobachten die Kinder bei ihrer morgendlichen Ankunft und werfen ein Auge auf sie während dem Spielen. Wenn sie gesundheitliche Auffälligkeiten erkennen, fragen sie mich, ob ich das betreffende Kind begutachten kann. Im Schnitt kommen so pro Vormittag zwischen 3 und 10 Kinder zu mir.

Im Verlaufe des Morgens werden die Kinder in verschiedene Gruppen eingeteilt und gehen zum Religionsunterricht, treffen sich unter einen Baum oder im Schulzimmer. Sie singen, hören Bibelgeschichten, diskutieren oder malen Bilder. Einige der älteren Kinder machen einen ruhelosen Eindruck, lassen sich leicht ablenken und sind nur allzu gerne bereit, mit mir mitzukommen wenn ich sie dazu auffordere. Einige der jüngeren Kinder hingegen sind sehr vertieft ins Malen und verlassen ihre Klasse nur ungern.

Einige der Kinder sind schüchtern und geben nur widerwillig Auskunft darüber, was vorgefallen ist. Andere wiederum zeigen mir unaufgefordert jede noch so kleine Wunde um ein Heftpflaster zu kriegen. Manchmal ist für ihre Blessur keine Krankenschwester nötig. Aber sie geniessen die paar Minuten bei mir, in denen ich mit ihnen rede und sorgfältig ihre Wunde reinige, weil sie sich dadurch aufgehoben und umsorgt fühlen. Für einige ist ein Heftpflaster das Highlight des Tages. Ein paar Kinder sprechen kaum Englisch und ich gebe mein Bestes, in Twi zu kommunizieren oder suche jemanden zum Übersetzen. Im Gespräch mit ihnen versuche ich sie zu ermutigen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern: Die Wunden sauber halten, genügend Wasser trinken, täglich ins Tageszentrum kommen um ihre Medikamente abzuholen. Ich bin mir bewusst, dass einige von ihnen neben den SozialarbeiterInnen kaum andere Bezugsperson haben, die sich um ihre Gesundheit kümmern.

Zur Mittagszeit reihen sich die Kinder zum Händewaschen auf, danach kriegen sie eine warme Mahlzeit. Sie sitzen um einen grossen Tisch und essen wie in Ghana üblich mit ihren Händen. Als ich an ihnen vorbeigehe, rufen sie „Auntie, komm und iss mit uns!“. Oftmals folge ich ihrem Angebot  und setze mich zu ihnen. Meine Versuche, mit Händen zu essen, werden meist mit einem Lachen der Kinder quittiert. Sie erhalten eine grosse, gesunde Mahlzeit und oft staune ich über den Appetit dieser kleinen Kinder. Das Wissen, dass diese Mahlzeit für einige die einzige des Tages sein wird, erklärt aber einiges.

Das Tageszentrum von Chance for Children ist eine wahre Oase für die Strassenkinder. Ein Ort, wo sie mit anderen Kindern spielen, lernen und sich ohne Angst ausruhen und schlafen können. Vor allem aber ist es ein Ort, wo sie sich geborgen fühlen und sie umgeben sind von Menschen, die sie annehmen und sich um ihr Wohl kümmern.

Andrea Baumann, Pflegefachfrau

 

 

Neuigkeiten

 

Soeben fertiggestellt und für Sie bereit zum Lesen:

unser aktueller

Jahresbericht 

 

Meilensteine

1999: Registrierung als Internationale NGO

2000: Unterstützung von Kindern in Amon’s Familienhaus in La

2001: Bau und Bezug des Knaben-Wohnhauses in Hebron

2002: Bau der Trommel- und Holzwerkstatt in Hebron

2005: Haus in La wird zum Mädchenhaus, Haus Hebron zum Knabenhaus

2008: Einweihung des Tageszentrums in Jamestown

2009: Eröffnung der Mädchen Wohngemeinschaft in Jamestown

2011: Eröffnung des Mädchenhauses in Hebron

2012: Eröffnung des zweiten Mädchenhauses in Hebron

2013: Eröffnung des dritten Mädchenhauses in Hebron

2014: Jubiläum „15 Jahre Chance for Children“

2015: Eröffnung des neuen Tageszentrums in Abossey Okai

2017: Fokus auf Reintegration von Kindern