Die Kinder in Ghana

 

WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH – 26. August 2004

LANGNAU: «Die Kinder in Ghana freuen sich noch an kleinen Dingen»

Isabel  Lukunic will Strassenkindern helfen, auf eigenen Beinen zu   stehen

Ghana ist zu einer zweiten Heimat für Isabel  Lukunic geworden. Die   Langnauer Kindergärtnerin engagiert sich dort in einem Projekt für   Strassenkinder. Ihr Lohn ist nicht Geld, sondern dankbare und fröhliche Herzen.   Nun möchte sie diese Arbeit im Emmental bekannt machen.

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Silvia Ben el Warda-Wullschläger

Dass es nicht allen Menschen auf der Welt so gut geht wie jenen in   der Schweiz, das war für Isabel  Lukunic schon als Kind klar. Die Besuche in   Kroatien, der Heimat ihres Vaters, öffneten ihr früh die Augen dafür. «Ich   merkte, dass der Lebensstandart, den wir hier in der Schweiz führen, nicht   selbstverständlich ist.» Für die Langnauerin war bald einmal klar: sie wollte   etwas von diesem Privileg weitergeben. «Das beinhaltet für mich nicht nur Geld   spenden, sondern meine Energie, Kraft und mein Wissen einzusetzen.» Auf Umwegen   kam sie in Kontakt mit dem Hilfswerk «Chance for Children», das von einer   Schweizerin und einem Ghanesen geleitet wird (siehe Kasten). Im Sommer 2002   absolvierte Isabel  Lukunic in Ghana ein dreimonatiges Praktikum. Ihr erster   Besuch in Afrika sollte nicht ihr letzter gewesen sein.

Pendeln zwischen zwei Welten                

Zurück in Langnau, stand für die   23-jährige Kindergärtnerin ausser Frage: sie würde wieder nach Ghana reisen. Als   die Leiterin des Hilfswerkes für die Geburt ihres Kindes ein halbes Jahr in die   Schweiz zurückkehrte, sprang Isabel  Lukunic in Accra, der Hauptstadt von Ghana,   ein. Vergangenen April kehrte sie von dort zurück und arbeitet seither in der   Heimstätte Bärau als Hilfspflegerin. Ende September wird sie dann erneut nach   Ghana reisen. Was danach folgt, ist momentan noch offen. Klar ist für Isabel  Lukunic nur, dass es eine weitere Zusammenarbeit geben wird. Sie könnte sich   auch vorstellen, längere Zeit in Ghana zu leben.

Ansteckende Lebensfreude

«Die Monate, die ich in Afrika verbracht   habe, waren für mich eine wertvolle und bereichernde Zeit», blickt sie zurück.   Auch wenn vieles anders laufe als in der Schweiz, habe sie selten Mühe gehabt   mit der anderen Kultur. «Ich darf einfach nie vergessen, dass ist ein Gast bin   und mich anpassen muss.» Auch Heimweh hat sie nie geplagt. Beeindruckend und   ansteckend findet sie die Lebensfreude der Menschen, trotz oftmals widriger   Umstände. «Auf der Strasse wird man angesprochen oder angelacht. Die Leute sind   fröhlich und gastfreundlich, auch wenn sie selber kaum genug zum Leben haben.»

Mit wenig zufrieden                

Besonders bereichernd ist für Isabel  Lukunic   die Arbeit mit den Kindern. «Sie sind dankbar für alles und haben eine riesige   Freude, wenn jemand zum Beispiel etwas Einfaches mit ihnen bastelt. Sie freuen   sich an kleinen Dingen. Als ich mit 18-jährigen T-Shirts bemalte, waren sie mit   Begeisterung am Werk. Man stelle sich das in der Schweiz vor. Die Kinder und   Jugendlichen hier sind übersättigt und wissen vieles nicht mehr zu schätzen.»   Nebst diesen positiven Erlebnissen sieht die Langnauerin aber auch die traurige   Seite der Strassenkinder: wie sie sich schon in jungen Jahren allein   durchschlagen müssen, wie Kinder hart arbeiten, wie sie ohne Liebe und   Geborgenheit aufwachsen. Die Arbeit des Hilfswerkes sei da nur ein Tropfen auf   den heissen Stein. «Wir betreuen 34 Strassenkinder, in Accra leben aber   20’000.» Doch davon lässt sich die 23-Jährige nicht entmutigen: ihre Arbeit   ziehe Kreise und sei nachhaltig. Ein Kind, das eine Ausbildung geschenkt   bekomme, werde seine eigenen Kinder später auch eher zur Schule schicken. Werte   wie Ehrlichkeit und Fleiss würden weitergegeben. «Wenn die Menschen eine Zukunft   in ihrem Land haben, werden sie auch weniger das Bedürfnis haben, nach Europa zu   kommen.» Umso mehr freut sich Isabel  Lukunic auf ihren nächsten Einsatz in   Ghana.

Im und nach dem Gottesdienst vom 5. September um 9.30 Uhr in der reformierten   Kirche Langnau erzählt Isabel  Lukunic über ihre Mitarbeit im   Strassenkinderprojekt «Chance for Children».

Das Hilfswerk «Chance for Children»

sbw. Das Hilfswerk «Chance for Children» wird von der St. Gallerin Daniela   Rüdisüli und vom Ghanesen Amon Kotey geleitet. Ziel des Werkes ist es,   Strassenkindern zu helfen, «ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen, indem sie   Liebe und Geborgenheit erfahren, sowie schulische und berufliche Fähigkeiten   erlernen.» Die Strassenkinder werden zuerst regelmässig von zwei einheimischen   Mitarbeitern auf der Strasse besucht. Kinder, die Interesse zeigen, ihre   Situation zu ändern und zur Schule zu gehen, werden ins Begegnungszentrum   eingeladen. Dort erhalten sie zweimal pro Woche warmes Essen, gehen zur Schule,   können sich waschen und spielen. Sobald sie sich in eine Gemeinschaft   eingliedern können, kommen sie in ein Wohnheim. Dort werden sie betreut, bis sie   die Schule und die Berufslehre abgeschlossen haben und auf eigenen Beinen stehen   können. Auch wird ihnen beigebracht, wie Trommeln hergestellt werden. Diese   werden in Ghana und der Schweiz verkauft. Zum grössten Teil ist das Werk auf   Spenden angewiesen.

 

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Meilensteine

1999: Registrierung als Internationale NGO

2000: Unterstützung von Kindern in Amon’s Familienhaus in La

2001: Bau und Bezug des Knaben-Wohnhauses in Hebron

2002: Bau der Trommel- und Holzwerkstatt in Hebron

2005: Haus in La wird zum Mädchenhaus, Haus Hebron zum Knabenhaus

2008: Einweihung des Tageszentrums in Jamestown

2009: Eröffnung der Mädchen Wohngemeinschaft in Jamestown

2011: Eröffnung des Mädchenhauses in Hebron

2012: Eröffnung des zweiten Mädchenhauses in Hebron

2013: Eröffnung des dritten Mädchenhauses in Hebron

2014: Jubiläum „15 Jahre Chance for Children“

2015: Eröffnung des neuen Tageszentrums in Abossey Okai

2017: Fokus auf Reintegration von Kindern

2019: Gründung Stiftung Chance for Children