Leben in die eigene Hand nehmen

 

Tagblatt vom 29.10.2001, Neckertal

Leben in die eigene Hand nehmen

Zahlreiche Gäste genossen im Realschulhaus von den Firmlingen gekochte   afrikanische Gerichte. Die Gommiswalderin Daniela Rüdisühli stellte bei der   Gelegenheit ihr Projekt «Chance for Children» für Strassenkinder in Ghana   vor.

Cornelia Forrer

St.Peterzell. Schon im letzten Jahr hatte Daniela Rüdisüli den jetztigen   Firmlingen anlässlich eines Heimaturlaubes während einer Religionsstunde ihr   Projekt vorgestellt. «Diese Religionsklasse war von den Erzählungen besonders   beeindruckt und wollte unbedingt selber etwas für diese Kinder tun», erklärte   Daniela Rüdisühli. Die Idee einer Sammlung mit afrikanischen Spezialitäten wurde   aus vielen weiteren ausgesucht. «Wir wollten zeigen, wie die Kinder in der   Grossstadt Accra leben und was man dort isst», erklärte einer der Initianten.

Mit Fotos dokumentiert

Im Unterricht hatte man schon seit einiger Zeit Plakate erstellt, diese mit   Fotos dokumentiert und beschriftet. «Es ist tragisch, unter welchen Umständen   die Strassenkinder dieser grossen Stadt leben müssen. So etwas kann man sich bei   uns gar nicht vorstellen», meinte ein weiterer Firmling betroffen. Gekocht hatte   man diverse Gerichte wie Kelewele, Huhn in scharfer Tomatensauce, Reis und   Kebabs, dazu Palavasauce. Sämtliche Rezepte wurden den feinschmeckerischen   Gästen zum Mitnehmen bereitgelegt. Die Tische hatte man bunt und ansprechend mit   Batiktüchern und Servietten dekoriert. Als Getränk wurde das übliche Getränk der   Ghanaesen angeboten: frisches Wasser.

Suche nach dem Sinn Daniela Rüdisühli stammt aus Gommiswald. Nach dem   Matura-Abschluss arbeitete sie in verschiedenen Behindertenheimen und liess sich   zur Primarlehrerin ausbilden. 1997 arbeitete sie im Rahmen eines Praktikums an   der Schweizerschule in Accra und war danach für das Rote Kreuz tätig. Ihr   Lebenspartner Amon Kotey ist in Accra geboren und kennt das Leben der   Strassenkinder aus eigener Erfahrung. Durch den Verkauf von Muscheln an   Touristen musste er zum Lebensunterhalt für die Familie beitragen. In einem   Kulturzentrum wurde ihm die Gelegenheit geboten, das Bauen von Trommeln zu   erlernen. Im Jahre 1997 lernten sich die beiden kennen und begannen, ihre Ideen   schrittweise in die Tat umzusetzen. Das Projekt «Chance for Children» wurde 1999 gestartet.

Grosse Armut herrscht

In Accra, der Hauptstadt Ghanas, leben etwa 15’000 Kinder auf der Strasse.   Seit 20 Jahren nimmt deren Zahl ständig zu und ist innerhalb der letzten vier   Jahre um einen Drittel gestiegen. Zahlreiche Familien leben in grosser Armut. In   der Hoffnung auf ein besseres Leben ziehen viele vom Land in die Stadt. Doch   ohne Bildung und Beruf ist die Suche nach Arbeit meistens erfolglos. Für die   Kinder bedeutet dies, dass sie für sich selber sorgen müssen. Sie machen   Gelegenheitsarbeiten und schlagen sich mit Betteln und Stehlen durch.   Schockierend ist die Tatsache, dass trotz Arbeit verschiedenster Organisationen   wie CAS oder Street Girls Aid die Zahl der Strassenkinder ständig steigt. Das in   der Schweiz und in Ghana anerkannte Hilfswerk «Chance for Children» bietet 15 Kindern und Jugendlichen eine schulische oder berufliche   Ausbildung. Man bezahlt die anfallenden Kosten. Daneben erteilt man   Nachhilfeunterricht, stellt Trommeln her, bietet Bus- und Taxidienste und neu   einen Frisiersalon an. Die Aufnahme eines Kindes wird über längere Zeit   eingehend abgeklärt. Dazu wird die familiäre Situation ebenso einbezogen wie die   schulischen Möglichkeiten oder die Bereitschaft zur Reintegration. Geplant sind   bis im Jahre 2004 die Fertigstellung des Wohnhauses und der Bau eines   Schulhauses mit Werkstätten, sodass dann etwa 70 Kinder aufgenommen werden   könnten. Familie und Freunde von Daniela Rüdisühli betreuen den administrativen   Bereich unentgeltlich, so dass dieser auf einem Minimum gehalten werden kann.

Tagblatt-Online Archiv © by St. Galler Tagblatt AG

 

Zurück zur Übersicht

Neuigkeiten

Schau dir unser neustes Video

„20 Jahre für Strassenkinder“ an

———————————————

Jubiläumsfest in Gommiswald

Weitere Fotos unter Neuigkeiten

 

 

 

Meilensteine

1999: Registrierung als Internationale NGO

2000: Unterstützung von Kindern in Amon’s Familienhaus in La

2001: Bau und Bezug des Knaben-Wohnhauses in Hebron

2002: Bau der Trommel- und Holzwerkstatt in Hebron

2005: Haus in La wird zum Mädchenhaus, Haus Hebron zum Knabenhaus

2008: Einweihung des Tageszentrums in Jamestown

2009: Eröffnung der Mädchen Wohngemeinschaft in Jamestown

2011: Eröffnung des Mädchenhauses in Hebron

2012: Eröffnung des zweiten Mädchenhauses in Hebron

2013: Eröffnung des dritten Mädchenhauses in Hebron

2014: Jubiläum „15 Jahre Chance for Children“

2015: Eröffnung des neuen Tageszentrums in Abossey Okai

2017: Fokus auf Reintegration von Kindern