CHANCE FOR CHILDREN
AMON KOTEY / DANIELA RÜDISÜLI SODJAH
c/o Fam. Rüdisüli Jakob und Margrith
Kehr
CH-8737 Gommiswald (Schweiz)
Tel.: 0041 55 280 1958
Email:
margrithruedisueli@yahoo.com
www. Chance-for-Children.org
Gommiswald, 6. April 2006
Liebe Spenderin, Lieber Spender
Zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Söhnen Dominic und Patrick werde ich am 7. April wieder unsere Heimreise nach Ghana antreten. Als Abschiedsgruss und Information über den aktuellen Stand von Chance for Children schicke ich Ihnen den Artikel, der in der Ausgabe der Südostschweiz vom Donnerstag den 30. März 2006 erschienen ist:
Chance for Children - Strassenkinderprojekt in Ghana
Daniela Rüdisüli Sodjah aus Gommiswald lebt seit 1999 in Ghana und leitet zusammen mit Amon Kotey das Strassenkinderprojekt Chance for Children. Wir haben die unterdessen zweifache Mutter bei ihrem alljährlichen Besuch in der Schweiz getroffen.
Ein Zuhause für 42 Strassenkinder: Das Strassenkinderprojekt "Chance for Children"wurde 1999 als International NGO (Internationale Non-Govermental Organization) gegründet. Mit Sitz in der Schweiz und konkreter Arbeit in Accra/Ghana. Die Initianten Daniela Rüdisüli Sodjah aus Gommiswald und Amon Kotey aus Accra geben heute 42 Kindern und Jugendlichen ein Zuh«ause und ermöglichen ihnen eine schulische oder berufliche Ausbildung zu machen. Finanziert wird das Projekt aus dem Verkauf von Trommeln und weiteren Handwerken, welche von den Jugendlichen selbst hergestellt werden. Zum grössten Teil ist »Chance of Children« angewiesen auf Privatspenden und Kollekten aus der Schweiz. Spendenkonto: Raiffeisenbank Gommiswald, PC-Konto: 90-654-2, Konto-Nr. 943 457 ,Informationen: www.chance-for-children.org
Vor sieben Jahren hast Du zusammen mit Amon Kotey aus Ghana das Projekt für Strassenkinder »Chance for Children« ins Leben gerufen. Du lebst in Ghana und kommst jedes Jahr für zwei Monate in die Schweiz. Jedes Mal ein Kulturschock?
In den ersten Jahren schon. Da hatte ich plötzlich meine Mühe mit der Schweiz. Die Armut und das Elend in Ghana machten mich sehr betroffen. So lehnte ich mich gegen vieles in der Schweiz auf und schaffte es nicht, beide Kulturen nebeneinander stehen zu lassen. Heute sehe ich die Sonnen- und Schattenseiten beider Kulturen und ich denke, man könnte in vielen Bereichen voneinander lernen.
Woher nimmst Du die Motivation für die Kinder in Not zu leben?
1998 brachte mich die Rega von Ghana in die Schweiz zurück. Mit einer schweren Blutvergiftung durch bösartige Bakterien (Staphylococcus Aureus). Die ärzte rechneten damit, dass ich sterbe. Doch mir wurde ein zweites Leben geschenkt. Ich durfte in dieser Zeit tief gehende Erlebnisse machen. Diese stärkten meinen Glauben und das tiefe Gefühl, eine Aufgabe zu haben, für die Kinder auf der Strasse in Accra da zu sein. Diese Erfahrungen geben mir jeden Tag neue Kraft.
Was hat sich in den letzten Jahren bei »Chance for Children« verändert?
Die Art der Betreuung. Anfangs führten wir mit fünf, sechs Kindern individuelle Gespräche im Alltag. Heute haben wir Pläne mit fixen Treffen für verschiedene Altersgruppen. Die Kinder und Jugendlichen sind zwischen 8 und 25 Jahren. Die Bedürfnisse, Anliegen und Themen sind bei jeder Altersgruppe anders gelagert. Da braucht es viele Absprachen und Diskussionen in unterschiedlichen Kleingruppen. Wir sind heute ein 14köpfiges Team. Am Anfang lief vieles spontan, aus dem Gefühl heraus. Heute ist uns vor allem professionelles Arbeiten wichtig. Fachpersonen aus den verschiedenen Bereichen helfen uns.
Haben die jungen Erwachsenen überhaupt eine Chance, eines Tages ihren Weg selbständig weiter zu gehen?
Dank »Chance for Children« stehen unterdessen vier junge Frauen und Männer auf eigenen Füssen. Den einen geht es besser, den andern weniger. Der Kontakt zu uns Betreuungspersonen ist für alle nach wie vor sehr wichtig. Finanziell allerdings schlagen sie sich jetzt selbständig durch.
Welche Berufe erlernen eure Kinder?
Bis jetzt erlernen sie Berufe wie Hochbauzeichner, Sanitärinstallateur, Automechaniker, Büromaschinen-Reparateur, Webside Designer, Köchin, Schneiderin, Friseurin oder gehen noch weiter zur Schule.
Welche Sonnen- und Schattenseiten erlebst Du in Ghana?
Was mich immer wieder neu berührt, ist der Blick in die strahlenden Gesichter unserer Kinder. Vor allem, wenn ich daran denke, in welchem Zustand wir dasselbe Kind noch vor wenigen Jahren auf der Strasse angetroffen haben. Und dann können sie plötzlich das erste Mal selber ein paar Sätze lesen. Das ist toll! Oder wenn Kinder, die auf der Strasse leben, nach Jahren ihre Mutter oder ihren Vater wieder sehen. Unbeschreiblich. Auf der anderen Seite müssen wir damit fertig werden, nicht alle Kinder aufnehmen zu können. Auch solche, denen es wirklich miserabel geht. Manchmal müssen wir auch Jugendliche zurückschicken, weil sie die ganze Gruppe gefährden. Das tut weh.
Du bist vor kurzem zum zweiten Mal Mutter geworden. Wie bringst Du das mit Deinem Engagement unter einen Hut?
In Ghana geht das viel einfacher als es hier wäre. Die meisten einheimischen Frauen haben ihre Kinder immer bei sich. Sie gehören einfach dazu und stören nicht. Trotzdem ist die Aufmerksamkeit immer bei zwei, drei Dingen gleichzeitig. Das zehrt an den Kräften. Aber es kommt auch viel zurück. Vom Projekt, der Familie. So kann ich immer wieder auftanken.
Nehmt ihr bei »Chance of Children« auch Praktikantinnen und Praktikanten auf?
Ja, manchmal wird daraus sogar mehr. Wie bei Isabel Lohri Lukunic. Sie stiess vor vier Jahren als Praktikantin zu »Chance for Children« und war sehr von der Situation der Strassenkinder betroffen. Seither engagiert sie sich unermüdlich in der Schweiz und vertritt mich in Ghana.
Am 7. April fliegst Du wieder nach Hause, nach Ghana. Worauf freust Du Dich am meisten?
Am meisten freue ich mich auch dieses Jahr wieder auf das Wiedersehen mit den Kindern. Sie fehlen mir.
Dieses Jahr werden Isabel Lohri Lukunic und ein Ghanaischer Mitarbeiter im Oktober und November hier in der Schweiz weilen. Sie werden an verschiedenen Anlässen von unseren Kindern in Ghana erzählen. Bitte entnehmen Sie die Daten der Homepage. Ich werde voraussichtlich erst wieder im März 2007 für zwei Monate hier sein.
Nun wünsche ich Ihnen allen einen bunten, warmen, wunderschönen Frühling und freue mich auf unser Wiedersehen im nächsten Jahr.
Mit herzlichen Grüssen
Daniela Rüdisüli Sodjah
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