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flagge von ghana

 

BERNER ZEITUNG - 3. September 2005

Isabel Lukunic AUS LANGNAU

Sie möchte Kinder lachen sehen

Isabel Lukunic aus Langnau arbeitet für Strassenkinder in Ghana. Sechs Monate pro Jahr verbringt sie dort - die andern sechs engagiert sie sich hier für das Projekt. Zum Beispiel morgen in der reformierten Kirche.

Isabel Lohri LukunicEs begann mit einem Zufall. Isabel Lukunic hatte ihre Ausbildung zur Kindergärtnerin beendet und beschloss, im Ausland ein Praktikum zu machen. Im Internet suchte sie nach Schweizerschulen im Ausland. Das Suchprogramm spuckte als Resultat eine Schule in Accra, der Hauptstadt Ghanas, aus. Die junge Frau klickte die Seite an, sah die Flagge von Ghana Ð je ein roter, gelber und grüner Längsstreifen mit einem schwarzen Stern in der Mitte. «Und ich wusste sofort: Dorthin will ich.» Also meldete sie sich bei der Schule. Es klappte jedoch nicht Ð «zu meinem Glück». Denn man verwies sie an Daniela Rüdisüli Sodjah, die in der gleichen Stadt das Projekt «Chance for Children» leitet (siehe Kasten). Dort bekam Isabel Lukunic die Praktikumsstelle. Und seither, seit 2002, verbringt sie etwa die Hälfte des Jahres in Accra und hilft dort mit, Strassenkindern ein Zuhause zu geben und eine Schulausbildung zu ermöglichen.

Den Betreuern vertrauen

Im Moment wohnt die 24-Jährige in der Hängelen bei Langnau. An den Holzwänden des ehemaligen Bauernhauses hängen ein Bild, das sie vor vier Jahren gemalt hat, und Fotos, auf denen Kinder mit dunkler Hautfarbe zu sehen sind. Isabel Lukunic sitzt am Stubentisch und erzählt von der Arbeit mit den Strassenkindern. Davon, wie manche von ihnen zuerst lügen oder stehlen, wie sie nach und nach beginnen, den Betreuern zu vertrauen, und wie sie mit der Zeit richtig stolz sind, die Schuluniform anzuziehen und in den Unterricht gehen zu können. «Diese Entwicklung zu sehen ist wunderschön», sagt Lukunic. In Ghana vertritt sie jeweils die Leiterin, während diese in der Schweiz für das Projekt wirbt oder Ð wie dies Ende Jahr der Fall sein wird Ð ein Kind zur Welt bringt. Die Langnauerin hilft in Accra koordinieren, trifft sich mit Betreuern zu Besprechungen, bastelt und spielt mit den Kindern oder hilft ihnen bei den Schulaufgaben.

Die Freude zeigen

Die Kinder sind dankbar, schreiben ihr sogar Briefe in die Schweiz. «Das ist sehr schön», sagt Isabel Lukunic mehr als einmal. Und man spürt, wie wichtig ihr die Arbeit ist. Für die Strassenkinder engagiert sie sich auch hier zu Lande: Sie hält Diavorträge, erzählt in Schulklassen und im Religionsunterricht vom Leben dort. Morgen etwa wirkt sie im Gottesdienst der reformierten Kirche Langnau mit. «Lebenshunger hier und anderswo» heisst das Thema. Nach dem Gottesdienst seien die Leute zum afrikanischemmentalischen Apéro eingeladen, und dazu würden allerhand Dinge aus Ghana ausgestellt, erklärt Isabel Lukunic. Sie breitet auf dem Stubentisch farbenfrohe Karten, Bambuskugelschreiber und Ketten aus, zeigt auch auf die kleinen Trommeln beim Kachelofen. All diese Dinge hätten die Kinder in Ghana selbst gefertigt. «Das ist wichtig für sie. Denn so können sie etwas von dem zurückgeben, was für sie getan wird.» Helferinnen und Helfer verkaufen die Produkte dann in der Schweiz. Isabel Lukunic geht es indes nicht nur ums Geldsammeln, sondern auch darum, «die Leute zu sensibilisieren».Für die Problematik der Strassenkinder. Oder dafür, dass in Westafrika nicht nur - wie ein Vorurteil besagt - Drogendealer leben. «Die Lebensfreude der Menschen dort ist überwältigend», berichtet Isabel Lukunic. In Accra winken ihr, der weissen Frau, viele Leute zu. Sie wollen ihr auf dem Markt etwas schenken oder ihr das Busbillett zahlen. Klar sei einem das «niene rächt», aber man müsse bedenken: «Das ist die Art, wie sie ihre Freude darüber zeigen, dass man hier ist.»

Den Flug bezahlen

FlugIsabel - Lukunic ist in Bärau aufgewachsen. Ihr Vater stammt ursprünglich aus Kroatien. «Wir gingen jedes Jahr dorthin, um Verwandte zu besuchen. Und ich sah, dass der Lebensstandard nicht überall so ist wie bei uns.» Das hat geprägt. Wenn sie heute in der Schweiz lebt, arbeitet sie jeweils als Betreuerin in der Heimstätte Bärau. «So kann ich mein Bankkonto wieder etwas aufbessern.» Und so kann sie den Flug selber bezahlen, wenn sie Ende November das nächste Mal nach Ghana reist. Dort wird sie für Kost und Logis arbeiten. «Denn das Geld soll ja nicht mir, sondern den Kindern zugute kommen.» Später blättert Isabel - Lukunic im Ghana-Fotoalbum. Auf den Bildern sind zufriedene Kinder zu sehen. «Wunderschön», sagt sie.

Markus Zahno

DAS PROJEKT

Ausbildung für 40 Kinder

«Chance for Children» entstand dank der Ostschweizerin Daniela Rüdisüli Sodjah. Als Praktikantin reiste sie 1997 nach Accra. Dort lernte sie den Ghanaer Amon Kotey kennen, mit dem sie später das Projekt initiierte und heute leitet. Knapp 20 hauptsächlich einheimische Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um etwa 40 Strassenkinder, die in und um Accra untergebracht sind und die öffentliche Schule besuchen. Später ermöglicht ihnen «Chance for Children» eine Berufsausbildung.

maz

 

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